Musik in Indien

Mittwoch, Juni 16th, 2010 | Allgemeines


Durch seine uralte Kultur blickt die indische Musik auch auf eine äußerst lange Musikgeschichte zurück, welche bis in das sechste Jahrtausend vor Beginn unserer Zeitrechnung zurückgeht. Altindische mythologische Werke besagen, dass Gott Shiva selbst den Menschen Musik und Tanz gab. Durch die unterschiedlichen Einflüsse im Laufe der Geschichte entwickelten sich zwei bis heute prägende Richtungen indischer Musik: Die südliche und die nördliche klassische indische Musik.

Sitar (und im Hintergrund Tabla)

Die indische Sitar (und im Hintergrund Tabla) (Foto von kathleenjoyful)

Der südliche, karnatische, Stil präsentiert sich heute sehr ursprünglich mit vielen melodiösen und rhythmischen Variationen, während die nördliche den Einflüssen Persiens ausgesetzt war und wesentlich improvisatorischer geprägt ist. Die indische Klassik duldet grundsätzlich nur ein Melodieinstrument und schließt somit ein für europäische Ohren vertrautes Orchester aus. Prägende nordindische Schlaginstrumente sind die Tabla und die Pakhawaj – südindischen Entsprechungen bilden das Mridangam und das Ghatam. Als gleichberechtigtes, also nicht dominierendes, tonangebendes Instrument werden hauptsächlich das Harmonium und die Tanpura eingesetzt. Der weit überwiegende Teil eines Konzerts ist frei improvisiert und orientiert sich dabei an einem streng vorgegebenen Rahmen – dem raga und der tala, den beiden Grundprinzipien indischer Musik.

Musik und Tanz sind auch im heutigen Indien zugleich Götterverehrung und Ausdruck von Lebensfreude. Zeitgenössische Künstler, deren sehens- und hörenswerte klassische Konzerte von immer mehr internationalen Gästen besucht werden sind unter anderem Ravi Shankar, Anjad Ali Khan und Kishori Amonkar.
Auch die indische Popmusik unterliegt, sehr viel mehr als die westliche, klassischen und traditionellen Einflüssen. So scheiterte MTV 1996 mit seinem Versuch der Jugend des Landes sein im Westen erprobtes Sendekonzept 1:1 überzustülpen. Erst als der Sender dazu überging, sich eine eigene indische Identität zu geben, ausschließlich indische VJs einzusetzen und Filmclips, auch älterer, Bollywood-Streifen, welcher immer auch Elemente klassischer indischer Musik enthalten, zu spielen, wurde das Programm von der heimischen Jugend angenommen. Indischen Jugendlichen ist offener Protest gegen das Elternhaus oder andere Autoritäten genauso fremd, wie offen zur Schau getragene Sexualität. So werden ausländische Videos nur dann gezeigt, wenn sie weder Nacktszenen noch Gewalt sowie keine Obszönitäten enthalten.

Diese Erfahrung zeigt, dass Indien, auch im Bereich der Musik, einen eigenen, einen Zwischenweg, gehen kann, der es dem Land erlaubt, sich seine eigene Kultur zu erhalten, ohne dabei wünschenswerte westliche Einflüsse und deren positive Wirkungen vollends abzulehnen. Mit diesem Weg kann Indien ein Beispiel auch für andere Länder geben, welche die übermächtig scheinende westliche Kultur und den damit einhergehenden Untergang oder die Marginalisierung der eigenen befürchten.

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